Kommt jetzt die Zinswende?

Bessere oder leicht höhere Arbeitsmarkt-, Lohn- und Inflationsdaten haben bereits ausgereicht um in den letzten Wochen recht heftige Finanzmarktturbulenzen auszulösen. Die Aussicht auf steigende Zinsen machte den Aktienmarkt weltweit nervös und liess die Börsen schlagartig ins Minus fallen. Damit musste man aber rechnen. Die Wirtschaftsdaten sind nämlich seit einiger Zeit besser und deshalb sind Leitzinserhöhungen eigentlich nur noch eine Frage der Zeit.

Amerika geht voran und wird wohl im laufenden Jahr mit zwei bis drei Anpassungen aufwarten. Aber was passiert in Europa? Da wurde es im Euroraum wohl verpasst, eine Änderung der Nullzinspolitik einzuleiten, zumindest aber anzudeuten. Es sind ja oft nur schon Signale und Äusserungen der Notenbanken, die für die Märkte erste Impulse für eine bevorstehende Veränderung abgeben.

Leitzinserhöhungen in den USA wahrscheinlich

In den USA sind die Notenbanker zuversichtlich, dass im laufenden Jahr ihr Inflationsziel von 2% erreicht wird. Es sind aber auch Stimmen da, die in der keimenden Wirtschaftsentwicklung noch deutliche Unsicherheiten erkennen. «Man solle sich daher mit weiteren Leitzinserhöhungen Zeit lassen» war der Tenor einiger Fed-Mitglieder. Wir gehen davon aus, dass in Kürze in den USA nochmals eine Anpassung der Zinsen erfolgen wird. Eine weitere Erhöhung dann aber vorderhand nicht und frühestens im Sommer/Herbst 2018.

Zinserhöhungen in Europa nicht zu erwarten

Die EZB und viele nationale Notenbanken im Euroraum erwerben seit Frühling 2015 in grossem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Damit soll das Wirtschaftswachstum und ergänzend die Teuerung angeheizt werden. Die EZB strebt ebenfalls rund 2% Teuerung im Euroraum an. Das wird wohl auch im laufenden Jahr nicht erreicht werden können. Damit sind Zinserhöhungen in Europa bis auf weiteres vertagt und für 2018 nicht mehr realistisch.

Und in der Schweiz?

Die schweizerische Nationalbank hat bisher keine Veränderungen bei der Geldpolitik beschlossen. Sie bleibt unverändert expansiv mit dem Ziel, die Preisentwicklung zu stabilisieren und die Wirtschaftsaktivitäten anzukurbeln.

Der Zins auf Sichteinlagen beträgt seit längerer Zeit minus 0,75% und das Zielband für den Dreimonats-Libor liegt unverändert zwischen minus 1,25% und minus 0,25%. Der Franken wird trotz sinkender Tendenz nach wie vor als zu stark bezeichnet und die SNB versucht auch weiterhin Anlagen im Franken unattraktiv zu machen. Dies mit einigem Erfolg.

Die Kapitalmarktzinsen sind Ende 2017, anfangs 2018 teils recht deutlich angestiegen. Nun hat sich die Situation wieder etwas beruhigt und die längeren Zinsen haben sich leicht reduziert. Bei den Laufzeiten von 5 bis10 Jahren sind es im Schnitt 0,05%. Die Sätze am Geldmarkt liegen nach wie vor im Minus.

Liborhypotheken sind weiterhin ab 0,6% und Festzinshypotheken mit Laufzeiten von 6 bis 8 Jahren bei 1,15% bis 1,40% erhältlich. Eine 10-jährige Festzinshypothek kann derzeit ab 1,30% abgeschlossen werden. Gemäss Berichten der Banken werden für das laufende Jahr steigende Hypothekarzinsen erwartet. Dabei sind automatisch die Festzinshypotheken im Fokus. Dadurch werden Libor-Hypotheken attraktiver. Vorab würden sich ja die Festzinshypotheken verteuern. Eine Risikofähigkeit vorausgesetzt, betrachten wir Liborhypotheken nach wir vor als die beste Hypothekenfinanzierungsvariante.

Geldmarkthypotheken (Libor) bleiben somit auch im 2. Quartal 2018 unsere erste Empfehlung. Bei Festzinshypotheken mit Laufzeiten über 5 Jahren kann bei einem weiteren Rückgang der Zinsen ein Abschluss geprüft werden.

Unsere Zinsprognose für die nächsten 12 Monate bleibt unverändert.

Die Hypothekenbörse AG bietet seit 20 Jahren unabhängige, persönliche und professionelle Finanzierungsberatung für Wohneigentümer, Immobilienanleger und gemeinnützige Wohnbauträger.

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