Die Besten 2017 in Architektur, Design und Landschaft

Seit 1993 prämiert Hochparterre jährlich die besten Bauten und Objekte in Architektur, Design und Landschaftsarchitektur.

Gestern, Dienstag, 5. Dezember 2017, kürte Hochparterre wiederum zusammen mit dem Museum für Gestaltung die ‹Besten› in Architektur, Design und Landschaft. Eine Präsentation der prämierten Projekte ist bis am 7. Januar 2018 in der Eingangshalle Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96, Zürich, zu sehen. Hochparterre, die Zeitschrift für Architektur, Planung und Design, widmet ihnen ihre Dezemberausgabe, die Sie – falls Sie nicht darauf abonniert sind – ab dem 6. Dezember 2017 bei verlag@hochparterre.ch bestellen können.

Und das sind die Preisträger 2017:

Architektur

Architektur Gold: Wohnhaus Green City B3 Süd, Zürich

Bauherrschaft: Genossenschaft Hofgarten, Zürich
Architektur: Adrian Streich Architekten, Zürich

Wollishofen 25.10.2017 – Genossenschaft Hofgarten in der Greencity, Wohnung Familie Fries. Schweiz. © Marion Nitsch/Lunax

Adrian Streich Architekten nutzen die Dichte der Greencity, um aufs Ganze zu gehen. Sie bauen eine Wohnmaschine, die städtebauliche Klarheit schafft. Die fein detaillierte Fassade unterstützt Urbanität und nimmt Bezug zur industriellen Geschichte des Areals. Das Erdgeschoss belebt den Platz, die Grundrisse münzen fast jeden Quadratmeter in Wohnfläche um. Mit dem Hof im Split-Level beleben die Architekten eine alte Typologie neu und schaffen eine gemeinschaftliche Mitte. Die Dichte wirkt als Motor für die Nachbarschaft, lässt aber auch privatere Wohnformen zu. Das Gebäude beweist: Das Zürcher Wohnbaulabor ist in der Breite angekommen. Architektur verändert die Gesellschaft.

Architektur Silber: Primarschulhaus Erlenmatt, Basel

Bauherrschaft: Kanton Basel-Stadt
Architektur, Generalplaner: Luca Selva Architekten, Basel

Das neue Schulhaus Erlenmatt in Basel, Schweiz von Luca Selva Architekten, Basel aufgenommen am 9. August 2017 von Roman Weyeneth, fotografie roman weyeneth gmbh, Fotostudio Basel, Schweiz.

Geschickt lösen Luca Selva Architekten die schwierige Aufgabe, ein Schulhaus auf einer Restparzelle zu bauen. Dazu entwickeln sie eine eigene Typologie, die auf allen Ebenen überzeugt: das Terrassenschulhaus. Das abgetreppte Volumen entschärft die Nähe, die Lochfassade fügt sich subtil ein, während der feine Sichtbeton das öffentliche Haus markiert. Die Terrassen gleichen die hohe Dichte aus und spielen dank der externen Fluchttreppe die Erschliessung frei. Die Staffelung führt zu abwechslungsreichen Räumen, kein Geschoss gleicht dem anderen. Die Materialien sind direkt und dauerhaft, der Massstab kindergerecht.

Architektur Bronze: Umgestaltung alter Dorfkern, Cressier (FR)

Bauherrschaft: Gemeinde Cressier
Architekten: LVPH architectes, Pampigny und Fribourg

Die Gemeinde Cressier geht mit gutem Beispiel voran. Sie retten ihren Dorfkern vor dem Verfall und bewahrt so ihre Identität. Sie pflegt die Baukultur, indem sie selbst als Bauherrin auftritt und einen offenen Wettbewerb ausschreibt. Dank dem Gemeinschaftsraum und der Totenkapelle schafft sie Raum für Öffentlichkeit. Und mit den Mietwohnungen macht sie Menschen ein Angebot, die sich kein Einfamilienhaus leisten können. LVPH architectes erhalten so viel wie möglich, bauen den Bestand sorgfältig um und ergänzen ihn mutig mit Neubauten, ohne das Budget zu überspannen. So stärken sie das Ensemble um den Dorfplatz und machen es zu einem Vorzeigeprojekt für viele Dorfreparaturen in der Schweiz.

Design

Design Gold: Unterrichtsmodul ‹Hic et nunc›

Verantwortliche: Karin Seiler, Antonio Scarponi, Corina Zuberbühler, BA Scientific Visualization und BA Interaction Design, Zürcher Hochschule der Künste, Zürich
Partner: Thomas Schmutz, Mitglied der Geschäftsleitung der Fachorganisation AOZ, Zürich

Im Unterrichtsprojekt ‹Hic et nunc› entwickeln Studierende gute Lösungen. Der knappe Zeit- und Budgetrahmen zwingt sie dazu, verfügbare Ressourcen zu nutzen und genau zuzuhören – in erster Linie den Experten für die Situation, die verbessert werden soll: den Bewohnerinnen und Bewohner des Übergangszentrums Halle 9 in Zürich-Oerlikon. Gemeinsam realisierten sie eine Bibliothek, ein Fitnessstudio oder einen Rückzugsraum für Frauen, aber auch Spiele, Schuhablagen oder kleine Regale. ‹Hic et nunc› vermittelt die Komplexität des Designs pädagogisch wirksam und zeigt, dass es weit mehr als Produktgestaltung umfasst: Design gestaltet Prozesse, die zu brauchbaren und sichtbaren Verbesserungen führt.

Design Silber: Forschungsarbeit ‹The Sausage of the Future›

Design und Recherche: Carolien Niebling
Herausgeber und Verlag: ECAL und Lars Müller Publishers

Carolien Niebling analysiert die Geschichte und die Zukunft der Wurst mit den Augen einer Designerin, optimiert Prozesse und zeigt zeitgemässe Lösungen auf. Ihre Erkenntnisse macht sie für eine breite Leserschaft zugänglich und bereitet sie unterhaltsam auf. Sie schreibt, skizziert und lässt fotografieren, fertigt dreidimensionale Modelle und erdenkt acht neue Wurstrezepte. Das Projekt setzt sich mit dem aktuellen Thema der Nahrungsmittelknappheit auseinander und zeigt, wie sich Fleisch lustvoll ergänzen, ersetzen oder verwerten lässt. Ebenso beeindrucken Tiefe und Ernsthaftigkeit der Recherche, die Carolien Niebling mit der nötigen Portion Humor würzt.

Design Bronze: Sitzungszimmer ‹The Colour Rooms›

Design: Lela Scherrer und Christoph Hefti
Auftraggeber: Swiss Textiles, Zürich

Lela Scherrer und Christoph Hefti entwarfen das Interieur der neuen Swiss-Textiles-Sitzungszimmer. Die Räume vermitteln die Marke, ohne auf Corporate-Identity-Richtlinien einzugehen. Der Verband setzte auf eine erfahrene Designerin und einen kompetenten Designer, um so nicht nur der Produktion einen zentralen Platz in der Schweizer Textilwirtschaft einzuräumen, sondern auch der Gestaltung. Indem Scherrer und Hefti Boden und Wand aufeinander reagieren lassen, schaffen sie ein durchgehendes Raumgefühl. Mit starken Koloriten zonieren sie den Grundriss. Die textilen Werkstoffe überzeugen bezüglich Bauphysik: Teppich und Stoffwände machen akustische Massnahmen überflüssig.

Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur Gold: Schüssinsel, Biel

Bauherrschaft: Stadt Biel
Landschaftsarchitektur: Fontana Landschaftsarchitektur, Basel

Die Schüssinsel in Biel ist das Resultat eines geschickten Landabtauschs. Die Stadt hat sich damit städtischen Freiraum zurückzuerobert. Die Landschaftsarchitektur von Fontana ist zurückhaltend, besteht in erster Linie aus den Elementen Pflanze, Boden und Wasser. Was von Menschenhand gemacht wurde, ist in diesem Park nicht offensichtlich – ein städtischer Freiraum, der über das Zusammenspiel der Nutzungen mit der Natur funktioniert. Auch die Offenheit der Anlage überzeugt: Die Schüssinsel kann nach ein paar Hochwassern ganz anders aussehen.

Landschaftsarchitektur Silber: Garten Pfarrhaus, Trub

Bauherrschaft: Maurus Schifferli Landschaftsarchitekt, Bern
Landschaftsarchitektur: Maurus Schifferli Landschaftsarchitekt, Bern

Der Garten des alten Pfarrhauses in Trub ist eine vielschichtige Arbeit: Der Landschaftsarchitekt Maurus Schifferli hat seinen eigenen Garten teilweise denkmalpflegerisch zurückgebaut, gleichzeitig mit klassischen Buchsparterres in freier Komposition erweitert und mit der Freilegung eines in den Boden gelegten Pluto-Symbols sogar eine metaphysische Verbindung in den Himmel aufgebaut. Der Garten schaffte es mit wenigen Mitteln, auf Basis der historischen Spuren eine eigene Welt aufzubauen. Er ist ein Sehnsuchtsgarten, der spielerisch und undogmatisch eine neue Geschichte erzählt, aber seine Wurzeln nicht negiert.

Landschaftsarchitektur Bronze: Gipfelrundweg, Hoher Kasten

Bauherrschaft: Hoher Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG, Brülisau
Landschaftsarchitektur: Nipkow Landschaftsarchitektur, Zürich

Auf dem Hohen Kasten haben Nipkow Landschaftsarchitekten einen ebenen Gipfelrundweg in den Berg eingepasst. Er fasst die Kuppe und lenkt den Blick vom Gipfel weg auf das atemberaubende Panorama. Das durchgehende horizontale Niveau des Rundwegs macht die Topographie sichtbarer. Mal verläuft er dramatisch überh.ngend, mal ist er in den schützenden Fels geschnitten. Terrassen und Balkone setzen Akzente und zeichnen Orte aus. Die Landschaftsarchitekten haben auf dem Berg aufgeräumt und die Landschaft wieder in den Vordergrund gerückt – ein Vorbild für einen disziplinierten Weg zurück zum Berg.

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